Editorial 6/2020

Kräfte bündeln für die Zukunft

Alfred Gusenbauer war 2007/08 Bundeskanzler. Aus diesen beiden Jahren blieb vor allem sein Zitat: „Wird das heute was Ordentliches oder das übliche Gesudere?“ in Erinnerung. Ohne zu wissen, dass die ORF-Mikrofone eingeschaltet waren, stellte er die Frage zu Beginn einer Veranstaltung. Was nicht gut ankam – noch dazu, weil er selbst ziemlich von oben herab sudernd wirkte.

Es ist nicht verboten, Missstände zu beklagen und jede Veränderung beginnt getreu dem Motto „Sehen-Urteilen-Handeln“ mit der Wahrnehmung des Ist-Zustands. Auch im elementarpädagogischen Berufsfeld ist der Status Quo keinesfalls nur rosig, vor allem nicht in Zeiten wie diesen … Engagierte KollegInnen betonen immer wieder, wie ungeeignet bzw. unvergleichbar etwa die Rahmenbedingungen (von Gruppengröße über Ausbildung bis zu Gehalt und Image) sind. Die Qualität der Bildung und Betreuung junger Kinder sei, auch angesichts des aktuellen Fachkräftemangels, akut gefährdet. Mehrmals berichteten heimische Medien im letzten Herbst von überfälligen Reformen und von frustrierten, ja wütenden PädagogInnen.

Die aktuelle Ausgabe des Fachjournals weicht unangenehmen Fragen nicht aus. Junge ebenso wie erfahrene Kolleginnen aus unterschiedlichsten Bereichen kommen zu Wort. Was sie vom „üblichen Gesudere“ unterscheidet, ist die Grundüberzeugung, wie (gesellschaftlich) unverzichtbar und (persönlich) erfüllend der pädagogische Beruf ist. Deshalb sollen wir nie beim Jammern stehen bleiben, sondern stets das Gute sehen, das Bessere anstreben und jeden Strohhalm zur Veränderung nutzen.

Es gilt, sich untereinander zu vernetzen und durchaus auch Druck zu machen – natürlich mit Augenmaß, damit es nie gegen Kinder und Familien ausgeht! Positive Energie und kraftvolle Impulse gehen vor allem von den vielen KollegInnen aus, die ihren Beruf von Herzen gern, ja leidenschaftlich ausüben. Dem ganzen Berufsfeld ruft die UNSERE KINDER-Redaktion zu: Lasst Euch die Freude am Wachsen mit den Kindern nicht nehmen! Bemühen wir uns gemeinsam um eine Zukunft, in der Kinder etwas zählen und auch alle Erwachsenen, die mit ihnen arbeiten! Am Ende des mühsamen Jahres 2020 sei allen gedankt, die Mut und Zuversicht verbreiten. Es kommen wieder ruhigere Zeiten, sicher! In jedem Fall wünscht der Fachverlag allen LeserInnen, AutorInnen, Netzwerkund GeschäftspartnerInnen gesunde und friedliche Weihnachtstage sowie einen hoffnungsvollen Jahreswechsel. Bleiben wir verbunden, geben wir nie auf – die Kinder haben es sich verdient, dass wir unseren Beruf mit Mut und Freude ausüben.

Im Namen des Teams grüßt herzlich

Unser Artikel

für Sie aus dieser Ausgabe

Die Konkurrenz von Theorie und Praxis bringt uns in der Elementarpädagogik nicht weiter. Wie schaffen wir ein fruchtbares Miteinander?

 

 

Anita Giener-Grün Weiterlesen

Martin Kranzl-Greinecker

Redaktionsleitung

Martin.kranzl-greinecker[at]caritas-linz.at

Inhaltsverzeichnis

der aktuellen Ausgabe 6/2020

Unser Thema

Platzt die Traumjob-Blase -  Elementarpädagogik in Zeiter hoher Ansprüche 
Birgit Eder 4


Wissenschaft und Praxis in guter Verbindung - Impulse für ein fruchtbares Verhältnis 
Anita Glener-Grün 8


Unsere Praxis

Vorstellungen, Erfahrungen, Wirklichkeit ... -Was es für mich bedeutet, Kindergartenpädagogin zu sein
Belinda Jäger 12


Was hat das alles mit mir zu tun? -Biografiearbeit als Selbstreflexion für frühpädagogische Fachkräfte
Roswitha Maderthaner 16


Im Rückspiegel -Notizen eines Klassentreffens
Irmgard Burtscher 17


Unsere Lebenswelt

Zeit für Dich und Deinen Körper - Bewegung in den Alltag bringen 
Elisabeth Heinrich 18


Praxis Spotlight

Wunderbare Orte - Das "Tisch-Haus";
Reggio-Kindergruppe Linz (Barbara Moser) 11


Menschen im Porträt

Raphaela Keller- Elementarpädagogin, Bildungsaktivistin, ehem. ÖDKH-Vorsitzende
Susanne Sonnleitner 20


Service

Bücher ... für Sie ausgewählt 24


Plattform 26


Inhaltsverzeichnis 2020 27