Ausgabe 4/2016

08/01/2016

4 / 2016

EDITORIAL

This land is my land

Mein und Dein regiert die Welt, sagt man. Gerade jetzt, wo große Wander- und Fluchtbewegungen uns beschäftigen, wird oft betont, dass dieses Land uns gehört. Wir alle haben ein Recht auf Besitz, leben aber können wir nur von der (Mit-) Menschlichkeit. Abschottung und Grenzen bringen nichts, vielmehr sollte der berühmte Song des amerikanischen Sängers Woody Guthrie (1912–1967) die Devise für Offenheit, Gastfreundschaft und Solidarität sein: „This land is your land, this land is my land, this land was made for you and me.“ Niemand besitzt bei seiner Geburt mehr als das eigene Leben, dessen wenige Jahre es möglichst sinnvoll zu gestalten gilt.

Schwierige und wichtige Fragen stellen sich, einige haben die Redaktion bei der Arbeit am aktuellen Heft beschäftigt: Was bedeutet es, etwas zu besitzen? Wie kommen wir zu einem gesunden Umgang mit dem Haben? Welche Verantwortung für das Sein leitet sich aus dem Haben ab? Wie kommen wir von kindlich-kindischen Wünschen („Ich will genau das, vielleicht sogar alles haben und zwar sofort, ungeteilt und für immer!“) dem Ideal einer lebenswerten Zukunft für die Erde und alle Menschen näher? Und wie lehren wir Kinder, zwischen Eigenem und Fremdem zu unterscheiden, ohne dabei das Besitzen zu verdammen und auf das Teilen zu vergessen? Welche kreativen Zugänge wie Tauschen, Leihen, Verwerten, Helfen etc. führen zu einem solidarischen, gerechteren Lebensstil? Diese Fragen und viele weitere Aspekte sind in das vorliegende Fachjournal eingeflossen. Die AutorInnen haben besonders darauf geachtet, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu moralisieren.

<br/>Gerade im Kindergartenbereich mit seinem weit verbreiteten und häufig unreflektierten „St. Martins-Mantelteil-Ideal“ braucht es ein neues Denken, denn genau hier – das wissen alle – beginnt heute das Morgen. Und noch etwas: Wer im pädagogischen Bereich über Besitz nachdenkt, darf die Frage „Wem gehören die Kinder?“ nicht aussparen, schon gar nicht ein Verlag mit dem Namen UNSERE KINDER. Bereits 1930 wurde erstmals in der Fachzeitschrift ausführlich beschrieben, wie im Kindergarten die „Kinder der anderen“ optimal begleitet werden können ohne sie zu vereinnahmen. Jesper Juul, der dänische Bestsellerautor, behandelte genau diese Frage in seiner Streitschrift zur Frühbetreuung („Wem gehören unsere Kinder? Dem Staat, den Eltern oder sich selbst?“, Beltz-Verlag 2012). Die wohl wichtigste Anregung dazu aber ist und bleibt der vom libanesisch-amerikanischen Dichter Khalil Gibran verfasste Text „Von den Kindern“, in dem es heißt: „Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch aber nicht von euch, und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht. Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.“ (Auszug aus „Der Prophet“, geschrieben 1925).<br/>

Auf dem Weg in eine gute Zukunft für die Kinder und mit den Kindern wünsche ich uns allen viel positive Energie!


Ihr Martin Kranzl-Greinecker

Martin Kranzl-Greinecker

Redaktionsleiter

martin.kranzl-greinecker[at]caritas-linz.at

Inhaltsverzeichnis

der Ausgabe 4/2016

Unser Thema

Meines oder Deines? - Der Umgang mit Besitz will gelernt sein. Und das Teilen ebenso
Gerlinde Unverzagt 4


Sein und Haben - Ein langer Lernprozess - Entwicklungspsychologische Aspekte zum frühkindlichen Besitzdenken
Katharina Strasser 9


Unsere Praxis

Darf ich das haben? - So lernen Kinder im Kindergartenalltag mit Besitz umzugehen
Anna Ruschka 12


Michaels Hundehütte  - Eine Lernschatzgeschichte
Kindergarten Linz - St. Michael 14


Die Martinsgeschichte - Kinder gestalten Texte und Bilder
Kindergarten Freinberg 15


Teil der großen weiten Welt ... - Wie wir durch Vernetzung "immaterielles Gut" teilen können
Verena Haselmayr 16


Unsere Lebenswelt

Kindergarten auf chinesisch - Als Pädagogin in einem internationalen Kindergarten in Peking
Sigrid Schnaubelt 19


Drei Fragen zum Kindergarten in China - Kurz-Interview mit
Melanie Mutter 21


Einen solidarischen Lebensstil wie eine Blume weiterreichen - Generationen lernen voneinander Großzügigkeit & Genügsamkeit
Miriam & Martin Wintereder 22


Tauschen statt kaufen - Renate Schrepfer
Bericht aus "Profil" 25


Menschen im Porträt

Martina Neubauer  - Kindergartenleiterin und Pflegemutter von zwei jungen Afghanen
Maximilian H. Tonsern 26


Service

Für Sie - Foto-Aktion - 10 Tipps zum Fotografieren
Christina Repolust 30


Bücher ... für Sie ausgewählt 31


Plattform 34


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Für Lieferungen in die Schweiz und Nicht-EU-Länder nehmen Sie bitte mit dem Verlag per E-Mail unsere.kinder[at]caritas-linz.at Kontakt auf.