Ausgabe 5/2016

10/03/2016

5 / 2016

EDITORIAL

Ganz sicher mutig!

Beim wöchentlichen Waldtag entdecken die Kinder einen Hochsitz. Einige Kinder möchten sofort hinaufklettern. Wie sollten PädagogInnen nun reagieren? Denn obwohl es Kindern in die Wiege gelegt ist, Höhen zu erklimmen und die Welt von oben zu betrachten, birgt dies die Gefahr in sich, hinunterzufallen und sich zu verletzen. Situationen, die ein blitzschnelles Abwägen möglicher Risiken erfordern, verlangen PädagogInnen täglich mutiges Entscheiden und Handeln ab.

Das macht den Alltag spannend. Die pädagogische Fachwelt ist einig darin, dass Kinder mehr denn je Spielräume zum Sich-Ausprobieren und An-die-Grenzen-Gehen benötigen. Es braucht Orte, die gestalt- und veränderbar sind und das sinnvolle gemeinsame Tun anregen. Das Sicherheitsrisiko durch bauliche Maßnahmen, geschickte Planung, Sensibilisierung der Kinder in Gesprächen und durch eigenes Vorbild zu minimieren, bildet die Basis für eine solche kindzentrierte Pädagogik.

Kinder suchen erfahrungsgemäß nach Herausforderungen im Grenzbereich ihres individuellen Könnens. In der Regel gehen Kinder dabei kein überhöhtes Risiko ein, mit dem sie sich ernsthaft gefährden würden. So steigt ein Kleinkind, das eine Stehleiter erstmals erkundet, zumeist nur auf die erste Sprosse. Nach und nach erhöhen Kinder den Schwierigkeitsgrad und tasten sich so an ihre Leistungsgrenze heran. Nur durch dieses Ausprobieren lernen sie ihre Fähigkeiten genau einzuschätzen und entwickeln ein stabiles Selbstvertrauen. Absolut gefahrlose Orte für Kinder sind weder machbar noch erstrebenswert, denn der Umgang mit dosiertem Risiko ist Teil des kindlichen Spiels, das wesentlich zu Entwicklung und Lernen beiträgt.

Wenn in Kindergarten, Krippe oder Hort nie etwas passiert, dann passiert möglicherweise auch im Sinne des entdeckenden Lernens nichts. Vermutlich müssen Kinder, die wenig Chancen für geglückte Grenzerfahrungen hatten, diese irgendwann nachholen – nicht selten, indem sie sich selbst, andere Menschen oder Dinge (be)schädigen. Gefährdet sind laut vielen Studien vor allem jene, denen spannende Handlungs- und Bewegungserfahrungen aus Ängstlichkeit, übertriebenem Sicherheitsdenken oder gar Bequemlichkeit vorenthalten wurden.

Die gute Botschaft lautet also: Risiken im Sinn herausfordernder Entwicklungsräume sind zulässig! Denn nur so lernen Kinder, die damit verbundenen Gefahren einzuschätzen, auf sich selbst aufzupassen und Verantwortung für sich zu übernehmen. Altersbedingt noch nicht durchschaubare Gefahrenquellen hingegen sind zu vermeiden! Zu viel Vorsicht kann die Kinder in ihrer Entwicklung hemmen, andererseits müssen Sicherheitsaspekte ausreichend bedacht werden. Diese beiden Pole sind stets neu in Balance zu bringen. Das Thema dieses Fachjournals hat auch mit den individuellen Unsicherheitsgefühlen und Ängsten der PädagogInnen zu tun, die im Team explizit zur Sprache gebracht werden sollten.
Die Redaktion wünscht Ihnen viel Mut und Elan für das eben begonnene Arbeits- bzw. Schuljahr!


Ihre Anna Kapfer-Weixlbaumer

Anna Kapfer-Weixlbaumer

Anna Kapfer-Weixlbaumer

Fachredaktion

anna.kapfer-weixlbaumer[at]caritas-linz.at

Inhaltsverzeichnis

der Ausgabe 5/2016

Unser Thema

Wie viel Risiko darf es sein? - Unfalvermeidung zwischen Sicherheit und Gefahr
Iris Radler-Gollner  4


Zwei Lerngeschichten - Vom Risiko zur Sicherheit
Gertraud Mayrhofer 9


Die Herausforderungen des Lebens bewältigenl - Gestärkt durch die Sicherheit, Akzeptanz und Ermutigung
Regine Schörkl 10


Mut-Probe - PädagogInnen zwischen Vorsicht und Mut
Helga Pichlhöfer 12


Unsere Praxis

Ich bin für dich da! - Nicht nur im Ernstfall ist Sozialkompetenz gefragt
T. Aistleitner / R. Semler 14


Unfälle verhüten ... - ... ist viel mehr als Regeln aufstellen
Aus dem Buch "Murmelbahn, Einsteckdose & Fühlteppich 18


Unsere Lebenswelt

Wenn die Neuen kommen - Entwicklungsbedürfnisse junger Kindergartenkinder
Anna Kapfer-Weixlbaumer 19


Menschen im Porträt

Marion Esser - Deutsche Psychomotorik-Therapeutin (nach Aucouturier)
Angelika Vandervelt 22


Service

Für Sie - Interpädagogica 2016 mit Buchpräsentation26


Bücher ... für Sie ausgewählt 27


Plattform 32


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