"Ab auf den Frei-Hof"

Betriebskindergarten der Fa. Sonnentor "SONNENSCHEINCHEN", Sprögnitz, NÖ

 

Da wird die Firmenphilosophie gelebt: In der betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtung der Firma Sonnentor hat die Natur einen hohen Stellenwert. Deshalb machen die Kinder gemeinsame Sache mit dem Bio-Bauernhof „Frei-Hof“. Wie befruchtend diese Kooperation ist, hat uns Anisa Schreinbeck, Leiterin des „SONNENSCHEINCHENs“, erzählt.

UNSERE KINDER: Frau Schreinbeck, wer oder was ist der Frei-Hof?
Anisa Schreinbeck: Der Frei-Hof war einst ein alter, unbewirtschafteter Hof, der vom Sonnentor-Eigentümer Johannes Gutmann gepachtet wurde. Seit 2016 betreiben zwei Pächter auf dem Hof Permakultur. Die Idee dahinter ist, den natürlichen Kreislauf auf das Notwendigste zu reduzieren und Überanbau bzw. Monokultur zu vermeiden. Es werden in erster Linie alte Pflanzensorten angebaut, die zB. Sonnentor-MitarbeiterInnen kaufen können. (Anm. d. Red.: Als Permakultur werden Ökosysteme bezeichnet, in deren Zentrum eine vielfältige, dauerhafte und sich selbst regulierende landwirtschaftliche Produktion steht).

Kurz nach der Gründung des Frei-Hofs ist Ihr Kindergarten eine Kooperation mit dem Bio-Hof eingegangen. Welchen Stellenwert hat das Draußensein generell in Ihrer Einrichtung?
Der Natur kommt in unserem pädagogischen Konzept große Bedeutung zu. Mit den Kindern sind wir immer draußen, bei jedem Wetter. Die Betriebsküche, die ausschließlich biologisch kocht, versorgt auch uns im Kindergarten. Wir bemühen uns um einen behutsamen Umgang mit Ressourcen. Die Wertschätzung der Natur und die Freude an ihr stehen bei uns im Vordergrund. Deshalb stellen wir den Kindern Naturmaterialien zur Verfügung, beschäftigen uns mit Recycling. Wenn wir draußen sind, sind wir entweder in unserem Garten, der übrigens öffentlich zugänglich ist, im Wald, beim Spazierengehen oder wir kümmern uns um eines unserer Projekte mit dem Frei-Hof.

Wie kam die Kooperation zustande?
Anfangs waren wir neugierig, was da bei unseren Nachbarn passiert. Am Hof leben nämlich auch Enten und Hühner. Diese Neugierde hat sich zu einer tollen Kooperation entwickelt, wir sind einfach rübergegangen und haben angefragt, ob wir gemeinsam etwas machen wollen. Bei vielen Projekten hat uns der Frei-Hof unterstützt. Wir kaufen unter anderem für unseren Kindergarten direkt am Hof saisonale und regionale Produkte ein.

Welche Projekte haben Sie mit dem Hof bisher umgesetzt?
Wir haben mit Sigrid, der Pächterin vom Frei-Hof, einen Wurmkomposter geschaffen. Er besteht aus Holz, vorne ist noch eine Plexiglasscheibe, um den Vorgang der Würmer besser beobachten zu können. Die Schichten des Wurmkomposters bestehen aus Stöcken und Erde, einer Mulchschicht aus Heu und Gras und Küchenabfällen. Darin halten sich die Würmer auf. Oben befindet sich noch eine Mulchschicht, um die Würmer vor Sonnenlicht und Austrocknung zu schützen.
In der Gruppe werden in einem Behälter Küchenabfälle von den Kindern für die Würmer gesammelt. Regelmäßig “füttern“ sie den Würmern die Bioabfälle. Als wir den Komposter angelegt haben, haben die Kinder die Würmer angreifen dürfen. Sie waren erstaunt, dass die Kompostwürmer anders ausschauen als herkömmliche Regenwürmer. Ein weiteres Projekt ist das Insektenhotel beim Frei-Hof, das wir gemeinsam mit den Eltern und Sigrid befüllt haben. Die Kinder durften mit verschiedenen Naturmaterialien arbeiten. Auch der Umgang mit der Gartenschere und anderem Werkzeug wurde geübt und angewendet. Auch die Kleinsten sind bei den Projekten immer mit dabei, wir haben ja auch Einjährige in der Gruppe. Die Jüngsten lieben es, Erde und andere natürliche Materialien zu erspüren und zu begreifen.

Und was steht noch an?
Für das Frühlingsfest im Mai haben wir bereits fruchtbare Erde zusammengemischt. Bei der Feier werden darin Pflanzen angebaut.

Was ist für Sie das Besondere an der Zusammenarbeit mit dem Hof?
Dass die Kinder den Kreislauf der Natur hautnah erfahren. Durch unsere Besuche und die Arbeit am Frei-Hof, wie dem Anbauen und Ernten, erleben die Kinder die Natur und Bewirtschaftung im Jahreskreis. Von der intensiven Zeit des Anbaus über den ruhigen Winter bis hin zur Ernte und weiteren Verarbeitung. Im letzten Jahr hatten wir eine gute Obsternte. Aus Äpfeln, Birnen und Zwetschken haben wir mit den Kinder Marmelade hergestellt oder Saft pressen lassen. Während die Älteren produzieren, stellen sich die Kleineren gerne als „Verkoster“ zur Verfügung.

 

Infos zum „SONNENSCHEINCHEN“:

Da es in der Region kaum eine Möglichkeit der Kleinstkindbetreuung gab, hat die Firma Sonnentor 2014 einen betrieblichen Kindergarten gegründet. Zurzeit werden insgesamt 18 Kinder betreut, wobei pro Tag maximal 13 Kinder in der Einrichtung sind. Ihnen gegenüber stehen zwei Pädagoginnen oder eine Pädagogin und eine Betreuerin. Das „SONNENSCHEINCHEN“ nimmt Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren auf und steht auch externen Kindern offen. Kinder von Sonnentor-MitarbeiterInnen haben allerdings bei der Vergabe von freien Plätzen Vorrang. Seit April 2018 ist die Einrichtung mit dem österreichischen Umweltzeichen zertifiziert.

 

Interview: Susanne Sonnleitner, Fotos: Sonnentor