"Lange, lange Riesenschlange"

Kleinkindgruppe Ottensheim, Oberösterreich

 

Es gehört schon fast zum Landschaftsbild der Marktgemeinde Ottensheim, wenn die Kinder der örtlichen Kleinkindgruppe mit ihrer Riesenschlange durch die Straßen ziehen. Gemeint ist damit ein genähtes Stoffband, das die Form dieses Kriechtieres hat. Seit 1999 schon (!) begleitet die Schlange die Kinder auf ihren täglichen Wegen.

Zwanzig Jahre ist es her, dass die Riesenschlange in der Krippe der Marktgemeinde Ottensheim eingezogen ist. Damals wie heute leitete Magdalena Kehrer die Einrichtung. Sie erinnert sich: „Zwar gingen wir jeden Tag hinaus, doch uns ist aufgefallen, dass sich die Kinder in unserem Garten nicht so viel bewegten. Lieber standen sie einfach da und beobachteten.“ Daraus entwickelte sich die Idee der Riesenschlange. Begonnen hat alles mit einem mehrfach verknoteten Seil, das von je einer Mitarbeiterin hinten und vorne gehalten wurde. Dazwischen gesellten sich die Kinder, an jedem Knoten eines. Und so stand bald den täglichen Erkundungstouren nichts mehr im Weg.

„Die Schlange begleitet uns zur Post, zum Nahversorger oder zum Bauernhof“, so Magdalena Kehrer, „und das jeden Tag und bei jedem Wetter.“ Die Leute kennen sie, sie gehört irgendwie zu Ottensheim dazu. Wenn die EinwohnerInnen von der „Schlange“ sprechen, wissen alle, was gemeint ist. Für Theresa Plöderl und Simone Höfer, Pädagoginnen der Kleinkindgruppe, liegen die Vorteile ihres mittlerweile lieb gewonnenen Reptils auf der Hand: „Nicht nur, dass uns die Schlange Ausflüge und den Kindern somit Einblick in das alltägliche Leben ermöglicht, nein, die Kinder machen durch die Schlange auch motorische Erfahrungen. Bei Spaziergängen durchs Laub erleben sie die Natur mit allen Sinnen. Und natürlich werden soziale Kompetenzen geschult, da ja auf das „Vorderkind“ Rücksicht genommen werden muss.“

Im Laufe der Jahre hat sich die Riesenschlange vermehrt. Mittlerweile gibt es sechs dieser Prachtexemplare, für jede Gruppe eine. Auch ist sie in ihrer Ausstattung „professioneller“ geworden. Zunächst noch in Eigenregie genäht, wird diese nun aus dem Spielzeughandel zugekauft. Und wie kommt die Schlange bei den Kindern an? „Die Kinder mögen sie“, weiß die Leiterin, „auch wenn sie anfangs erst mit ihr Freundschaft schließen müssen. Bei neuen Kindern gibt es zuerst eine kleine Einführung, dann machen wir Versuche auf ganz kurzen Strecken. Die Kinder müssen da erst hineinwachsen, bis sie die Schlange akzeptieren, doch wir geben ihnen die Zeit, die sie dafür brauchen.“

Das Team um Magdalena Kehrer ist schon seit vielen Jahren überzeugt von der Riesenschlange. Nur wenn die Kinder beisammen bleiben, ist ein sicheres Fortbewegen auf Straßen und Wegen möglich. Die Leiterin vergleicht diese Ausflüge mit einem Bilderbuch, das lebendig geworden ist. Dabei gäbe es immer so viel zu sehen. Baustellen, zum Beispiel. Da bleibt man mitunter gerne und lange stehen.

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: Kleinkindgruppe Ottensheim