"NatURSPIELplatz "

Betriebskindergarten Pagitsch in Tamsweg, Salzburg

 

Wenn Kinder im Bachbett matschen und auf Baumstämmen balancieren, dann liegt der Gedanke an einen Waldkindergarten nahe. Doch weit gefehlt. Denn das Kinderland Pagitsch in Tamsweg hat sich den Naturschauplatz direkt vor die Haustüre geholt. Vor zwei Jahren entstand dort ein Spielplatz, der seinesgleichen sucht und nicht nur Kindergartenkinder zum Verweilen einlädt. 

Es steckt viel Herzblut in dem neuen NatURSPIELplatz, der 2017 in Tamsweg entstanden ist. Landschaftsarchitekten, Baufirmen, Künstler und die Geschäftsführung der Firma Pagitsch haben ebenso dazu beigetragen wie die pädagogische Leiterin Anja Jesner. Jener Mann, der die zündende Idee dafür hatte, ist der Chef persönlich. Geschäftsführer Rupert Pagitsch ist nicht nur Träger und Financier des Projekts, sondern auch der „Kindergartenpapa“. Und das mit Leib und Seele. Am Wochenende füttert er mitunter die Tiere, die auf „seinem“ NatURSPIELplatz leben.

Das Konzept, ein Kinderparadies zu schaffen, das die ursprünglichen Werte und den bewussten Umgang mit der Natur fokussiert, ist voll aufgegangen. Heute tummeln sich die rund 90 Kinder des Kinderlands Pagitsch in einer Szenerie, die der Pädagogik des Waldkindergartens recht nahe kommt: „Die Kinder sind bei jedem Wetter draußen, vorgefertigtes Spielmaterial gibt es nicht. Rutschen und Bobby Cars sucht man hier vergeblich“, berichtet Anja Jesner.

Was es aber gibt, sind Plätze zum Entdecken und Verstecken. Erdhügel mit Tunnel, die in Bergwerke verwandelt werden, eine mit Steinen ausgelegte Wasserstraße, Beete zum Säen, Pflegen und Ernten, einen Kleintierstall mit Zwergschafen, Hühnern und Nagern, ein Biotop, zwei Karpfen und vieles mehr. Hinter den Objekten steht zudem die Idee, die Grundelemente Wasser, Erde, Luft und Feuer zu symbolisieren. Dass dieses Projekt ein Spielparadies werden würde, war keine Überraschung. Einen unerwarteten Mehrwert bringt es allerdings schon mit sich, wie Anja Jesner erkannt hat: „Der NatURSPIELplatz stärkt das soziale Miteinander. Wir können beobachten, wie sich Kinder im freien Spiel gruppenweise zu Besprechungen zusammenfinden. Diese Kompetenz nehmen die Kinder natürlich mit, etwa in die Schule, die unsere Beobachtungen teilt.“

Der NatURSPIELplatz ist ein echter Gewinn für den ganzen Lungau. Kinder von Firmenmitarbeitern haben ein Vorrecht auf einen Platz in dem Betriebskindergarten, aber auch betriebsfremde Kinder sind willkommen. Zudem nutzen im Rahmen eines regionalen Projektes andere Kindergärten der Region den Spielplatz gelegentlich mit. Auch SchülerInnen, die in die Nachmittagsbetreuung kommen, sind im Garten zu finden. Während also Einjährige in der Sandgrube matschen, experimentieren die Zehnjährigen mit dem Froschlaich. Und die Eltern kommen hier zusammen, um Feste zu feiern. Als der Garten 2017 eröffnet wurde, hat man sich gar auf der Naturtribüne eingefunden, die im Halbmond auf Hochbeeten installiert wurde. Berührende Momente der Begegnung zwischen Groß und Klein erlebt man allerdings auch zwischendurch, was Anja Jesner besonders freut: „Es kam schon vor, dass sich ein Junge Freitagnachmittag seinen gestressten, berufstätigen Papa mit den Worten schnappte ‚Jetzt setzen wir uns mal hin, schnaufen durch und essen noch die letzten paar Würstel von der Feuerstelle‘.“

Das Kinderland Pagitsch führt vier alterserweiterte Gruppen und eine Krabbelgruppe. Die Einrichtung ist von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends geöffnet und kann so relativ flexibel auf die Bedürfnisse (berufstätiger) Eltern reagieren. Kinder können daher auch mittags gebracht werden. „Mit dem NatURSPIELplatz und mit dem Kinderland generell wollen wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, junge Familien in unserer schönen Region zu halten“, resümiert Anja Jesner, „und zeigen, wie lebenswert der Lungau ist.“

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: Fa. Pagitsch