Projekt "Kindergartenbaustelle"

Kindergarten Aschau im Zillertal

 

Vor gut einem Jahr begann Kindergartenassistentin Stefanie Luxner das bestehende Gartenkonzept ihrer Einrichtung über Bord zu werfen. Heute klafft ein riesiges Erdloch, wo früher der Spielturm stand. Doch das ist längst nicht alles. Wie aus einem Froschkönigteich eine Ziegelwaschanlage wurde und warum „ihre“ Kinder den Regen lieben, hat uns die 28-Jährige erzählt.

„Im letzten Jahr standen in unserem Kindergarten große Veränderungen an. Nach reiflicher Überlegung haben wir beschlossen, den Betrieb nach einem teiloffenen Konzept zu führen. Dabei wurde mir der Bereich Garten- und Naturwerkstatt anvertraut, den ich mit Begeisterung annahm. Bei der Projektentwicklung kreisten meine Gedanken ständig um eine Beobachtung. Viele unserer Kinder lieben das Graben mit Schaufeln. Dabei waren sie derart eifrig bei der Sache, dass sie oft unsere Spielgeräte freilegten, was natürlich nicht gern gesehen wurde. Es tat mir immer sehr leid, wenn ich die Kinder in ihrem Tun einbremsen musste.

Deshalb wollte ich für die Kinder einen Raum schaffen, in dem das freie Spiel und der Umgang mit Naturmaterialien gefördert wird. Und in dem sie ungehindert ihrem Tatendrang nachgehen können, dem Graben. Dazu ließ ich etliche Spielgeräte entfernen. Dort, wo sich unser Kletterturm befand, entstand ein leerer und mit natürlichem Boden vermischter Platz. Den habe ich mit einem Absperrband für Baustellen umrundet. Außerdem habe ich Schaufeln, Baustellenhelme, Schilder, Bagger, PVC-Röhre und anderes Arbeitsmaterial besorgt und den Kindern zur Verfügung gestellt. Und dann habe ich voller Spannung gewartet, was passiert …

Zuerst waren die Kinder etwas irritiert, aber auch neugierig. Schnell haben sie ins Spiel gefunden. Und spätestens nach dem ersten Erfolgserlebnis – eine kleine Gruppe hatte einen riesigen Stein ausgegraben – gab es kein Halten mehr. Die kleinen ArbeiterInnen verwandelten den Garten in eine Dauerbaustelle mit Gruben, Erdhügeln, Ziegelmauern, Rohrleitungen und vielem mehr. Beim Teichbau machten sie die Erfahrung, dass Wasser im Boden versickert, doch mit Teichfolie war das Problem schnell behoben. Ein Kind hatte die Idee, daraus einen Teich à la Grimm’s Froschkönig zu machen. Heute finden sich darin aus Holz gefertigte Fische und gold bemalte Steine. Doch das ist nicht seine einzige Funktion. Ein Bub fand, er könne darin ja die dreckigen Ytong-Steine waschen … so wird der Teich vielfach genutzt. Ich habe schnell bemerkt: Diese Form des freien Spiels regt die Fantasie an. Was heute noch der Kamin ist, kann morgen schon das Musikantenhaus sein.

Nach einem Jahr „Kindergartenbaustelle“ sind meine Kolleginnen und ich uns einig: Die Ausdauer, der Ideenreichtum und der Zusammenhalt der Buben und Mädchen sind einfach bemerkenswert. Auch die soziale Komponente ist nicht zu unterschätzen. Ein Kübel voller Matsch lässt sich halt nur schwer alleine tragen, da bedarf es schon der Mithilfe mehrerer Kinder. A propos Matsch: Das beste Baustellenwetter ist natürlich Matschwetter. Nichts macht unseren Baustellenkids mehr Freude, als im Regen in der Erde zu buddeln. Deswegen hat jedes Kind seine Matschkleidung. Von dem Spaß ganz zu schweigen, wenn sie am Ende des „Arbeitstages“ mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden!“

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: Stefanie Luxner