Projekt "Säen - Pflanzen - Ernten"

Kinderkrippe Kaindorf bei Hartberg

 

Soeben noch auf der Staude, jetzt schon auf dem Teller – Gemüse aus dem eigenen Garten ernten die Kinder der Krippe Kaindorf fast täglich. Neben dem Frischekick und der Extraportion an Nährstoffen hat dieses im Herbst 2017 gestartete Projekt einen wesentlichen Mehrwert. Es ist Gemüse, das die Kleinen selber gesät, gepflanzt und gepflegt haben. Heute, ein Jahr später, wissen die GärtnerInnen von morgen ganz genau, woher die Jause auf ihren Tellern kommt.

Die Liebe zur Natur ist Isabella Orthofer in die Wiege gelegt worden, wuchs doch die Pädagogin auf einem Bauernhof auf. Wenig verwunderlich also, dass sie die Themen „gesunde Ernährung“ und „Nachhaltigkeit“ immer mit sich herumträgt. Und diese auch nicht vor den Toren der Kinderkrippe Kaindorf Halt machen, in der die Fachkraft 2017/18 als Leiterin tätig war. Die Krippe wird zweigruppig und nach dem offenen Konzept geführt. Alle 25 Kinder dürfen sich im Haus frei bewegen; jeder Raum ist einem Bildungsbereich gewidmet. So gibt es auch den Bereich der Küche, in der die gemeinsame Jause zubereitet wird. „Ich finde, Kinder sollten wissen, woher ihre Jause kommt,“ so Frau Orthofer, „von daher lag es nahe, dass wir früher oder später unser eigenes Gemüse anbauen.“

Die Idee, ein Pflanz- und Ernteprojekt zu initiieren, stieß auf reges Interesse im Team. Und auch die Kinder waren von Anfang an dabei. Mit der Unterstützung der Gemeinde wurden Hochbeete errichtet. Dabei stellte sich heraus: Schon hier können erst Zweijährige behilflich sein, etwa beim Reichen von Werkzeug oder dem Befüllen mit abgeschnittenen Zweigen. Im Frühling ging es dann richtig ans Werk: Da wurde gesät, gepflanzt und die gekeimten Kartoffeln in die Kartoffelpyramide gesetzt. Doch damit war es nicht getan. Die Kinder übernahmen auch das tägliche Gießen und Erdauflockerungsarbeiten. Am Ende wollten sie oft gar nicht mehr die Schaufel aus der Hand legen.

„Naturgemäß zeigen die älteren Kinder schon mehr Interesse am Garteln als etwa Ein- oder Zweijährige,“ schildert Frau Orthofer, „und das ist natürlich in Ordnung. Mir ging es bei dem Projekt immer darum, Kinder tun zu lassen, wenn sie wollen. Niemand muss dabei mitmachen.“ Für die meisten Kinder ist es aber spannend, vom ersten Schritt der Bepflanzung bis zum Verzehr des Gemüses hautnah dabei zu sein. Da wird dann schon mal die Neugier geweckt, wie denn so ein Kohlrabi wohl roh schmeckt. Auf der anderen Seite erleben die Kinder auch Rückschläge mit, wenn etwa eine Gemüsepflanze nicht so will wie sie soll. So ist es ihnen mit dem Kürbis ergangen, dem offenbar der trockene Sommer zugesetzt hat. Frau Orthofer sieht dies jedoch als Lernprozess, in den sie auch die Kinder einbindet und versucht, es im nächsten Jahr besser zu machen.

Auch auf dem letzten Stück der Reise in die Krippenküche begleiten die Kinder „ihre“ Gemüseernte. Wer mag, darf hier mithelfen: Tischdecken, Schneiden oder Schälen, zu tun gibt es genug, bis das frische Gemüse letztendlich auf den Tellern landet. Schon am Morgen bis 9 Uhr nehmen die Kinder die Gemüseleckereien in Form einer gleitenden Jause zu sich. Dazu gibt’s Brot und oft Aufstrich. Im laufenden Krippenjahr haben sich die PädagogInnen dazu entschlossen, zudem eine 11 Uhr-Suppe zu reichen. Gemüsesuppen sind bei den Kleinen hoch beliebt. Dazu sollen im Frühjahr vermehrt Zucchini und Kürbis angebaut werden. Mit letzterem hat man ja ohnehin noch eine Rechnung offen.

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: Kinderkrippe Kaindorf