"Vom Baum zum Baustein"

NÖ Landeskindergarten Ybbsitz 1 und Kindergarten Graz-Brucknerstrasse

 

Vom Baum zum Baustein, vom Brett zum Schiff … so oder so ähnlich klingen die Projekte zweier Kindergärten aus der Steiermark und Niederösterreich. Ihnen gemeinsam ist die Annäherung an den Werkstoff Holz, aber auch ein grundsätzliches Interesse, Kindern ökologische Zusammenhänge zu vermitteln.

Der Werkstoff Holz ist dem Kindergarten Brucknerstraße der Stadt Graz gut bekannt. Schon vor Jahren hat die mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnete Einrichtung ökologisches Bewusstsein in ihr pädagogisches Konzept verankert. Doch war es eher Zufall, dass die Leiterin Karin Mußbacher im laufenden Kindergartenjahr eine Kooperation mit proHolz Steiermark eingegangen ist. Der Höhepunkt war definitiv der Holzzirkus, eine Art mobile Werkstätte, ist Mußbacher überzeugt: „proHolz baute in unserem Turnsaal einen riesigen Werktisch auf, an dem jedes Kind bohren, hämmern und leimen durfte. So entstanden wunderbare Schiffe und Flugzeuge. Die Kinder waren begeistert.“

Raum zum Experimentieren bot schließlich ein Workshop rund um den Wald. Das Thema war den Kindern nicht neu, denn der Stadtkindergarten organisiert regelmäßig von WaldpädagogInnen begleitete Ausflüge in die Natur. Doch im Workshop hatten die Gruppen Gelegenheit, unter fachkundiger Anleitung Holz zu „erriechen“ und zu „ertasten“, seine Durchlässigkeit zu testen und über Holz als Heizmaterial zu erfahren.

„Holz zieht sich durch das Kindergartenjahr wie ein roter Faden. Das beginnt bei der intensiven Bewegung im Wald und geht bis zur Schleifbank im Garten. Nicht selten nehmen Kinder das erworbene Umweltbewusstsein mit nach Hause. Es ist schön zu sehen, wenn wir durch unsere Aktivitäten auch die Eltern motivieren können, mit ihren Kindern in den Wald zu fahren. Es muss ja nicht immer das Einkaufszentrum sein“, meint Mußbacher augenzwinkernd.

Als Waldpädagogin sieht Silvia Kaltenbrunner unsere schnelllebige Zeit kritisch. Heute würden die Kinder am liebsten ihr Tablet zum Spielzeugtag mitnehmen, erzählt die Leiterin des Landeskindergartens Ybbsitz 1. Doch Frau Kaltenbrunner weiß dem Trend etwas entgegenzusetzen. Bei den wöchentlichen Waldtagen in ihrer Einrichtung lernen die Kinder zum einen, sich mit sich selber zu beschäftigen, zum anderen aber auch über den Kreislauf der Natur. Und was würde sich hierzu besser anbieten als der nachwachsende Rohstoff Holz?

So rief die passionierte Waldpädagogin vor einigen Jahren das Projekt „Vom Baum zum Baustein“ ins Leben. „Zunächst machten wir uns mit all den Funktionen des Waldes vertraut, vom Schutzwald bis zum Wirtschaftswald. Jäger, Förster und Landwirte kamen zu uns. Die Kinder durften am Dachsfell riechen und Schutzausrüstung anprobieren“, berichtet Kaltenbrunner.

Im Wald erlebten die Kinder live, wie ein Baum gefällt wurde. Eigenhändig trugen die Kleinen die Äste zu einem Haufen zusammen. Doch sie wussten auch: Wer der Natur etwas nimmt, muss auch zurückgeben. Deshalb pflanzte jedes Kind sein eigenes (Wunsch-) Bäumchen und markierte es entsprechend. Damit fing das Abenteuer erst an. Ein Traktor zog den Baumstamm ins nahegelegene Sägewerk, die Kinder im Bus hinterher. Dort angekommen kam „ihr“ Baum in die Säge, bevor die Kinder die Latten und Kanter in die Trockenkammer begleiteten. Nach zwei Wochen holte die Gruppe „ihren“ Baum wieder ab, um daraus im Kindergarten Bausteine und Rennautos zu schaffen. Die Holzprodukte sind noch heute im Einsatz. Aber auch im Wald hat das Projekt Spuren hinterlassen: Die einst gepflanzten Bäumchen wachsen zu Bäumen heran. Die Kinder sind stolz, wenn sie zu den Jungpflanzen zurückkehren, um sie an heißen Tagen zu gießen.

 

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: NÖ Landeskindergarten Ybbsitz 1, Kindergarten Graz-Brucknerstraße