"Winterwaldtage"

Gemeindekindergarten Rossleithen

 

Waldtage gibt es in vielen Einrichtungen. Die Bewegung an der frischen Luft und die Einfachheit der Natur sind nur zwei Gründe dafür, mit Kindern in den Wald zu gehen. Dass dieser aber auch bei Tiefschnee eine tolle Spielarena sein kann, beweist der Gemeindekindergarten Roßleithen. Dort, am Fuße der Kalkalpen, zieht es die Kinder einmal wöchentlich hinaus in den Wald, wie Kindergartenleiterin Bettina Gösweiner berichtet:

„Wo, wenn nicht in der Natur, finden Kinder, was sie zum Spielen brauchen! Nach diesem Leitsatz haben mein Team und ich im Herbst 2016 regelmäßige Waldtage in unserem Kindergarten eingeführt.

Schnell hatte ich mein Team von der Idee überzeugt, sind wir doch hier am Land alle selber gerne draußen unterwegs. Doch zu so einem Projekt gehören mehr dazu. Wie der Bauer, der uns ein entsprechendes Waldstück zur Verfügung gestellt hat. Es ist etwa so groß wie ein Fußballfeld. Ein rot-weiß-rotes Absperrband signalisiert den Kindern ‚bis hier her und nicht weiter‘.

Jetzt im Winter formen die Kinder wundervolle Gebilde aus Schneeziegeln, entdecken Tierspuren und verwandeln gefrorene Wasserpfützen in einen Eislaufplatz. Dabei sind sie recht ausdauernd. Nicht selten kommt es vor, dass sie ein oder zwei Stunden lang in Tätigkeiten versinken und am Ende staunend vor dem Ergebnis stehen, wie jüngst vor einem Eisloch, das die Kinder mühevoll in das Bachbett gehackt hatten.

Wir Pädagoginnen sehen bei all dem die Kinder als Hauptakteure. Wir beobachten und helfen, wenn es notwendig ist. Dadurch, dass der Wald kein vorgefertigtes Spielmaterial bietet, ist er für die Kinder oft anstrengend, fördert aber auch die Kreativität. Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie fantasievoll unsere Kinder im freien Spiel sind und wie sie den Wald für Rollenspiele nutzen. Bucheckerln mit Stoffmützen werden dann zu Waldzwergen, die in Mooshütten hausen.

Großer Dank gebührt den Familien der Kinder, die sich an den Waldtagen beteiligen, wie dem Onkel, der gemeinsam mit den Kindern aus Lärchenpfosten und Planen ein Tipi gezaubert hat. Ein Großvater und Tischler baute für uns ein Waldklo, ein uriges Plumpsklo in einer etwa 1m2-kleinen Hütte. Zum Händewaschen holen wir uns Wasser vom Bach. Viele Eltern kommen auch einfach als Begleitpersonen mit. Berufstätige verschieben gerne mal ihren Dienst, um dabei sein zu können. Und die Kinder freuen sich riesig, wenn sie Mama oder Papa die selbst gebaute Räuberhöhle zeigen können.

Natürlich ist nicht immer alles so idyllisch wie es scheint. Gerade wenn es richtig kalt ist, haben wir damit zu tun, die Kinder und uns als Team dazu zu motivieren, in den Wald zu gehen. Aber es lohnt sich. Wenn ich sehe, wie die Kinder ausgepowert, aber stolz mit roten Bäckchen zurückkehren, dann freue ich mich richtig mit ihnen.

Unsere Waldtage finden jeden Donnerstagvormittag statt. Wir gehen mit je 30 Kindern gruppenübergreifend in den Wald. Bei 60 Kindern, die den Kindergarten insgesamt besuchen, darf also jedes Kind jede zweite Woche mitkommen. Kinder, die gar nicht mitkommen wollen, können in der Einrichtung bleiben. Das wird individuell mit den Eltern vereinbart.

Weihnachten haben wir letztes Jahr schon in einem nahegelegenen Holzverschlag gefeiert. Wir haben eine Krippe aufgestellt und Kerzen angezündet. Vielleicht schaffen wir es heuer, eine Tanne im Wald zu schmücken. In einer stillen, verschneiten Winterlandschaft lässt sich der Zauber von Weihnachten sicher nochmal anders erspüren als im Gruppenraum!“

Text: Susanne Sonnleitner, Fotos: Gemeindekindergarten Roßleithen