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... eine Weltenreise: vom Märchenbuch zum Katalog der vielen Dinge

Im Februar zierten Märchenbücher in vielen Facetten unsere Fensterbank. Angeregt blätterten die Kinder zwischen alten und neuen Illustrationen, amüsierten sich über für sie skurrile Erscheinungen und verglichen diese mit Bekanntem aus Spielen oder Filmen. Doch die Verwirrung wuchs mit der Beobachtung, dass die Figuren – je nach Märchen – unterschiedlich dargestellt werden; etwa der Wolf, den die Kinder aus „Drei kleine Schweinchen“ kannten. Aufgrund der unterschiedlichen Proportionen – mal furchteinflößend groß, dann genauso groß wie das Schwein – fragte mich eines der Mädchen: „Ist das der Wolf als Baby?“


Um den Kindern ein Gefühl für Illustration in Bilderbüchern zu geben, zeigte ich ihnen das Katalogbuch „Das Beste von Allem“ – eine Sammlung an gleichen Dingen (z. B. Katzen, Häuser, Märchenfiguren …), individuell gezeichnet von sechzig IllustratorInnen.


Diesem Buchprojekt gelingt ein etwas anderer Zugang zum Thema Vielfalt! Der Zugang für Kindergartenkinder ist schnell gefunden, denn jeden Tag malen Kinder mit Begeisterung und mit unterschiedlichem kreativen und technischen Vermögen Eindrücke und Vorstellungen ihrer Welt. Sowohl das Malen als auch Urteile über das Gemalte können große Wirkung erzeugen. Im kreativen Tun haben die Kinder die Möglichkeit sich auszudrücken, unabhängig davon, wie groß ihr Wortschatz ist. Auch im Buch sehen wir viele Beispiele davon, wie verschiedene Perspektiven Unterschiedliches ausdrücken können.


Der Blick der Kinder pendelt zwischen den Darstellungen der KünstlerInnen und verweilt bei den humorvollen Details – sie legen den Finger auf Abbildungen, die sie hinterfragen; legen die Hand über die Lieblingstorte, bevor sie sich erkundigen, welche Entscheidung die anderen treffen; legen Stift und Papier bereit, ehe sie versuchen, das gruselige Eichhörnchen nachzumalen, oder mich bitten, eine Fee für sie zu zeichnen.


Was bei Büchern mit Text oft zu kurz kommt, erhält bei Büchern ohne Text einen besonderen Stellenwert: Raum zum Dialog bzw. Zeit zum Zuhören für uns Erwachsene. Leserichtung, Lieblingskategorien und Anknüpfungspunkt für das weitere Gespräch geben die Kinder vor. Die Herausgeberinnen Jutta Bauer und Katja Spitzer ermutigen sie, ihr Interesse kundzutun und gleichzeitig die Interessen anderer einzuholen. Ansichten, wie etwas zu sein hat, werden nicht vorgegeben, sondern zum Dialog freigegeben. Und diesen führen wir: darüber, welche Bärte und Roboter am meisten beeindrucken, ob der Tod unheimlich und lustig sein kann oder über den Schwierigkeitsgrad beim Nachmalen der favorisierten Bilder. 


Die Betrachtung der Bilder macht Spaß und zwingt nicht den Anspruch der Perfektion auf, was den Gedanken „Das kann ich auch“ zulässt und somit den Anreiz bietet, ein eigenes Katalogbuch zu erstellen. Wir setzen uns zusammen und malen zu gemeinsam ausgewählten Themen – nicht am Kaffeehaustisch, wie die Herausgeberinnen, aber mit ähnlich motiviertem Kunstgeist. Unter den Motiven bleibt auch bei uns Platz für die Fußnote, in der die Namen der Kinder vermerkt werden. Themen finden, aufmalen, ausschneiden, aufkleben, aufschreiben und alles wieder von vorne. Für die Kinder ist die Gestaltung des Kataloges nicht nur eine kreative und feinmotorische Übung. Sie festigen und erweitern dadurch auch ihren Wortschatz, lernen andere Perspektiven einzunehmen sowie Toleranz gegenüber unterschiedlichen Vorstellungen und Methoden zu entwickeln. 

Buch und Katalog, beides wird nun gerne durchgeblättert und besprochen. Und das Beste aus alldem? Sei es in Form von eigenen Geschichten oder musikalischen Vertiefungen, sei es ein Figurentheater oder ein Brettspiel – jede Figur, jedes Motiv daraus ist Impuls für neue Leseabenteuer. 

 

Hier können die Bilder aus dem Buch erworben sowie die IllustratorInnen und die "Stiftung Illustration" unterstützt werden:

stiftung-illustration.blogspot.com

Das Beste von Allem
Bilderbuch

Jutta Bauer; Katja Spitzer (Hrsg.)

Illustriert von 60 IllustratorInnen

Aladin Verlag, Hamburg 2015

112 Seiten, 20 x 27 cm

ISBN 978-3-84890097-8

HIER SCHREIBT ...

Tina Troll, MA, Elementarpädagogin in Linz und freie Mitarbeiterin im Verlag UNSERE KINDER. Nach ihrer Ausbildung zur Pädagogin und einigen Jahren im Beruf entschied sie sich für die persönliche Weiterbildung in einem Germanistikstudium an der Paris Lodron-Universität in Salzburg.

 

 

"Meine Beziehung zum Buch definiert sich durch die berufliche Vorlese- und Vermittlungstätigkeit, durch mein Studium, durch die Auseinandersetzungen mit frühen literarischen Begegnungen im Kindesalter und natürlich durch meine persönlichen Leseerfahrungen." - Tina Troll -