Editorial 4/2026
MINKT - Kreatives Forschen von Anfang an
Die Aussage „Im Mittelpunkt der Elementarpädagogik steht das Kind“ würden wir wohl alle unterschreiben. Zuvor aber ist zu klären, wer und was genau damit gemeint ist:
• Das Kind, das eine Einrichtung besucht, weil familiär und gesellschaftlich nötig – Betreuung steht im Fokus?
• Das Kind, das möglichst früh für Schule und Berufswelt fit gemacht werden soll – durch Fordern und Fördern ?
• Oder das Kind, das mit seinen individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Grenzen – ganzheitlich wahrgenommen wird?
Diese UNSERE KINDER-Ausgabe zielt ganz klar auf die dritte Antwort ab, denn nach einer Epoche der starken Kompetenzorientierung ist es höchste Zeit für eine „Emotionale Wende“. Vom Beobachtungsbogen bis zur Entwicklungsdokumentation, vom frühen Lernen bis zum Sozialverhalten betonte man in den letzten Jahrzehnten stets, was Kinder in einem bestimmten Alter bereits können (sollten). Nicht selten blieb der Mensch mit seinen vielfältigen Bedürfnissen auf der Strecke. Neben allem, was zum Leben einfach nötig ist (wie z.B. Essen, Pflege, Schlaf, soziales Miteinander durch Spiel und Kommunikation …) geht es auch um körperliche Entwicklung, Sprachfähigkeit, Umgang mit Konflikten, geistige Reifung oder seelisches Wohlbefinden usw.
Kindzentrierte, zugewandte Fachkräfte bemühen sich zu erkennen, was ihr kleines Gegenüber gerade jetzt benötigt. Nur wenn kindliche Bedürfnisse von Erwachsenen wahrgenommen und befriedigt werden, entsteht ein lern- und entwicklungsfreundliches Klima. Freilich ist damit nicht um die unkritische Erfüllung aller beliebigen Wünsche oder eine „Kuschelpädagogik“ ohne Grenzen gemeint. Das Ziel ist eine achtsame, wertschätzende, sorgende und schützende Grundhaltung.
Die Artikel in diesem Fachjournal wurden ausschließlich von Kolleginnen aus der Praxis verfasst und stellen unterschiedliche Aspekte bzw. konkrete Alltagssituationen vor. Sie behandeln den bziehungsvollen Umgang mit (Grund-)Bedürfnissen, damit die Kinder ihr Potenzial entfalten können. Übrigens gilt Bedürfnisorientierung auch für Pädagog*innen – klingt selbstverständlich, wird aber oft vergessen. Wir können nur gut für andere da sein, wenn es uns selbst gut geht! Gerade im Burnout-gefährdeten, erzieherischen Berufsfeld sind Selbstachtung und -fürsorge bedeutsam, weshalb sich auch dazu mehrere Beiträge im Heft finden. Die Frage „Was brauchst du gerade?“ richtet sich eben nicht allein an die Kinder, sondern genauso an die Erwachsenen und muss Teil persönlicher Selbstreflexion sowie gelebter Teamkultur sein. Viel Freude beim Lesen!
Unser Artikel
für Sie aus dieser Ausgabe
Inhaltsverzeichnis
der aktuellen Ausgabe 4/2026
Kreativ, produktiv, innovativ - Experimentieren als Haltung und Lernform
4
MINT für Kinder unter 3 Jahren - Einblick ins neue Buch "Kleine Köpfe, große Fragen
8
Ganzheitliche Bildung - Zwischen Evolutionsbiologie, Humanismus und gegenwärtigen Wissenschaftsimpulsen
10
Gondel, Geometrie und viele Bausteine - Frühe naturwissenschaftliche Bildung wirkt ganzheitlich
12
Die Küche als Labor - Vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln.
15
Lebensräume be-greifen - Das Projekt "Von ganz unten bis ganz hinauf"
16
Die vielen Facetten einer Sonnenblume - Vom Schablonendenken zum Flirt mit den Dingen
17
Von der Idee zum Objekt - Gestalten mit dem 3D-Drucker
20
Gestaltung und Technik - Gegensatz oder perfekte Ergänzung?
22
Inga Marie Ramcke - Sachbuchautorin und Literaturvermittlerin im Interview
25
Bücher ... für Sie ausgewählt 28
Plattform 30
