Ausgabe 2/2024
Kreative Kinderkräfte stärken
Seit es uns Menschen gibt, drücken wir uns nicht nur mit der Sprache aus, sondern auch durch Zeichnungen und Bilder, wie die steinzeitlichen Höhlenmalereien beweisen. Überall auf der Welt zeichnen Kinder, denn sie wollen Spuren hinterlassen und durch allgemein verständliche Zeichen bzw. durch geschriebene Wörter miteinander in Kontakt treten. Auch in der digitalen Gegenwart, in der schon kleine Kinder mit Smartphone und Tablet aufwachsen, ist die schriftlich-grafische Kompetenz höchst wichtig – vielleicht wichtiger als je zuvor. Aus Geist und Herz heraus suchen sich Bilder durch unsere Hände den Weg in den Sand, aufs Papier, an die Wand, später vielleicht auf einen Bildschirm …
Alle Mitteilungen fügen sich zusammen und ergeben am Ende ein großes Mosaik aus Selbstbild, Menschenbild, Weltbild etc. Wer sich nicht äußern kann, bleibt unverstanden und wer die Äußerung anderer nicht versteht, verkümmert. Bildung, Heranwachsen und Weltaneignung basieren auf der Stärkung kreativer Fähigkeiten vom Kleinkindalter an – allein und im gemeinsamen Tun. Deshalb müssen gerade in elementarpädagogischen Einrichtungen, individuelle Ausdrucksformen gefördert werden. Vor allem Zeichnen und Malen (ohne Schablonen!), Stempeln, Drucken, Schaben, Reißen, Schneiden, Kleben, Falten, Formen, Kneten und Bauen usw. tragen zur Entwicklung junger Kinder bei.
Kinderzeichnungen sind mehr als nur bunte Striche auf Papier, sie stehen für Fantasie, für Emotionen und für die kognitive Entwicklung junger Menschen. Oft scheinbar wirre Linien und Farbkleckse sind erste Schritte auf dem Weg zur visuellen Kommunikation und mit hoher Sensibilität zu betrachten. Die Psychologie kann zwar Inhalte deuten, aber nie sollte vorschnell interpretiert werden. Pädagogisch betrachtet, zählen viel mehr der Respekt voreinander, das Interesse füreinander und das Gespräch miteinander.
Im Umgang mit verschiedenen Materialien und Techniken entwickeln sich sowohl die Feinmotorik als auch künstlerisch-ästhetische Qualitäten. Studien ergaben, dass das regelmäßige Zeichnen und Malen positiven Einfluss auf den Schriftspracherwerb hat, denn durch das Experimentieren mit Formen, Linien und Symbolen trainieren Kinder ihre Wahrnehmung und ihr Verständnis für die Struktur von Bildern und Texten. Sie lernen, Zusammenhänge zu erkennen und Geschichten zu erzählen – Fähigkeiten, die es auch beim Lesen und Schreiben braucht. Indem wir Kindern die Möglichkeit geben, kreative Kräfte zu entfalten, stärken wir ihre ganzheitliche Bildung und Persönlichkeitsentfaltung.
Die vorliegende Ausgabe möchte dazu ermutigen, dem Malen, Zeichnen und Gestalten großzügig Raum zu geben – voller Spaß und Ernst zugleich. Einrichtungen für Kinder sollen Zonen der Kreativität sein, offen und frei von bewertenden Kommentaren – so wie dies die inspirierenden Beispiele aus der Praxis vorstellen. Übrigens ist das kreative Schaffen keineswegs nur für Kinder eine wertvolle Ressource, sondern gemeinsam zu zeichnen, zu malen oder zu bauen und darüber zu reden, tut auch Erwachsenen gut (etwa bei einer Teambesprechung).
Martin Kranzl-Greinecker
Redaktionsleitung
Inhaltsverzeichnis
der Ausgabe 2/2024
Unser Thema
Kinderzeichnungen - Was sie uns sagen und worauf wir achten sollen
4
Ich gestalte, also bin ich - Von ästhetischen Erfahrungen, Gestaltungskompetenz und Weltaneigung.
10
Fantasie ist Begabung und Lerngelegenheit -
12
Unsere Praxis
Selbstbestimmt .../Fremdbestimmt ... - Zeichnen und Gestalten als kooperatives Beziehungsgeschehen
14
Wo Emotionen Platz haben - Kinder im Atelier
18
Meine Welt. Meine Stadt. Meine Träume. - Ein gemeinschaftliches zeichnerisches Projekt
20
Junge Pädagogin am Wort - Kolumne
21
Basteln - Nein danke! - Gedanken zum Bedürfnis des kreativen Gestaltens
22
Praxisimpuls - Kindergarten goes Druckerei
23
Unsere Lebenswelt
Wir alle sind mehrsprachig - Das Sprach(en)kontinuum im Elementarbereich
24
Unser Porträt
Freischaffende (Bilderbuch-)Illustratorin Clara Frühwirth - im Interview
26
Service
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