Ausgabe 2/2026
Kinder wachsen mit ihren Konstruktionen
Beim Erstellen dieser Ausgabe, beim Betrachten der Bilder, die in die Redaktion gelangt sind, habe ich mich an eine Anekdote erinnert: Wir Eltern haben für die Zimmer unserer Kinder Teppiche gekauft. Für unseren Sohn fanden wir keinen, der uns passend erschien. Schließlich wurde es doch ein hellgrüner Wollteppich, den wir ausbreiteten. Beinahe entschuldigend erklärten mein Mann und ich, dass wir keinen schöneren Teppich gefunden hätten und wir hofften, dass ihm dieser auch gefalle. Wir gingen aus dem Zimmer und hörten einige Zeit nichts von unserem Sohn. Als wir nach einer Weile Ausschau hielten, fanden wir den Buben vertieft im Spiel vor. Wir hatten also genau die richtige Wahl getroffen, denn nun wurde mit dem Spielzeugtraktor der Teppich „als Wiese gemäht“. Fortan beschäftigten sich Schwester und Bruder ständig auf dieser „Spielwiese“. Jede Art von Legematerial wurde als Weidezaun für Tiere genutzt, immer wieder entstanden prächtige Bauernhöfe mit allem, was dazugehört. Mit der Zeit wurde die Fläche für die Gerätschaften zu klein und die Kinder errichteten ein mehrstöckiges Regal für den Fuhrpark.
Auch im Freien wurde immer wieder gebaut. So entstand aus Abfällen von Baustellen ein ganzes Dorf mit Kirche, Feuerwehr- und Wirtshaus. Der Tret-Traktor erhielt einen Anhänger aus Holzbrettern, den die Kinder später auch mit dem E-Bike den Berg hinaufzogen. Und irgendwann waren es dann Bauten wie eine Hütte, die mit Dachziegeln gedeckt wurde, ein Hochbeet für die Oma und Reparaturen an echten Maschinen …
Meine Sorge, dass anderen Kindern bei uns vielleicht langweilig werden könnte, weil nicht so viel „fertiges“ Spielzeug zur Verfügung stand, war immer unbegründet. Was mich oft beschäftigte, war die Überlegung, wo die Übergänge zwischen Spiel und Arbeit verlaufen. Wo ist die Grenze des „Kleine-Welt- Spiels” erreicht, wo fängt die echte Arbeit an?
Diese sehr persönlichen Schilderungen zeigen, wie bedeutsam das kindliche Bau- und Konstruktionsspiel nicht nur für den Erwerb dreidimensionalen Vorstellungsvermögens und technischer Grundkenntnisse ist. Genau auf diese Lern- und Entwicklungsaspekte zielen viele der Beiträge der aktuellen UNSERE KINDER-Ausgabe ab. Besonders erfreulich ist, dass sich unter den Artikeln dieses Mal viele reich bebilderte Praxisberichte finden. In diesem Sinn wünschen wir viel Freude beim Nachahmen und Neubauen, sei es horizontal oder vertikal, sei es als individuelles Spielerlebnis oder als Gruppenprojekt.
Inhaltsverzeichnis
der Ausgabe 2/2026
Inhaltsverzeichnis
Schwerkraft, Statik und Stabilität - Lern- und Entwicklungsprozesse im Spiel begleiten
4
Das Bau- & Konstruktionsspiel - Aus der Dokumentation des Projekts "Bauen und Konstruieren" (2021)
8
"BauReich" - Wichtige Umgebungsbedingungen für dreidimensionales Gestalten
10
Aus weniger wird mehr - Spielzeugreduzierung als Impuls für kreatives Bauen und Konstruieren
12
Was sich mit Kisten alles machen lässt ... -
15
Material in großer Menge - Warum klassische Holzbausteine Vorrang genießen sollten
16
Ein Haus für Pumuckl - Pädagoginnen tauchen mit Kindern in die Welt der Fantasie ein
18
Self-made-Bad & WC fürs Rollenspiel - Ein besonderes Bauprojekt
21
Elementarpädagogik goes digital - Wie viel Digitalisierung braucht es in den Einrichtungen?
22
Die "Farm Monaco" - Wie ein "Kleine-Welt-Spiel" bis heute nachwirkt
24
Christoph Wiederkehr - Der Bildungsminister im Interwiew
25
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