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Ausgabe 4/2020

4 / 2020

UNSERE KINDER Ausgabe 4/2020, Fachjournal, Elementarpädagogik, Kleinkindpädagogik, Kindergarten

Gleiches Recht für alle! Echt?

Vor einiger Zeit rief meine, in Computerfragen bestens versierte Kollegin aus großer technischer Not die Support-Hotline unseres damaligen EDV-Partners an. Keine Chance, dieses Problem lässt sich nicht lösen, hieß es freundlich, aber bestimmt. Nach einiger Zeit bat sie mich, als Mann, einen letzten Versuch zu starten und plötzlich redete man am anderen Ende der Leitung ganz anders. Es schien einen Unterschied zu machen, ob Frau oder Mann bedient werden sollte.

Sicher kennt jede/r von uns Alltagsbeispiele der Ungleichbehandlung. Und doch verschließen wir meist die Augen, sind wenig sensibel und vergessen, dass unser Verhalten das Leben kommender Generationen massiv beeinflusst – was ganz generell gilt, von Klima über Konfliktlösungsstrategien und Diversitätsfreundlichkeit bis zum Umgang mit dem Coronavirus.

Bitte denken Sie, liebe LeserInnen, kurz über folgende Aussagen nach: „Hautfarbe und äußerliche Merkmale spielen heutzutage keine Rolle im Alltag! Beste Bildung steht allen offen! Es gibt keine gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern! Jede sexuelle Orientierung wird akzeptiert! Diskriminierungen aller Art sind Vergangenheit! Ein Sozialstaat wie der unsere schafft Ausgleich zwischen arm und reich! Sprache, Herkunft und kulturelle oder religiöse Prägungen entscheiden nicht mehr über die Zukunft junger Leute! Jedes Kind, egal ob Mädchen oder Bub, ob schwarz oder weiß, hat dieselbe Ausgangslage!”

Wenn Sie ein einziges Mal das Rufzeichen durch ein Fragezeichen ersetzen würden, dann kennen Sie das Hauptargument der UNSERE KINDER-Redaktion für die vor Ihnen liegende Ausgabe: (Geschlechter-) Gerechtigkeit von morgen beginnt in den Familien sowie in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen von heute! Diese Überzeugung ist keine Neuigkeit. Schon vor fast zwanzig Jahren erschienen hervorragende Materialien zur geschlechtsbewussten Pädagogik (konkret sei die Broschürenreihe des Frauenbüros der Stadt Wien erwähnt), und doch scheint es auch 2020 manchmal, als wäre „Gleichberechtigung“ ein Fremdwort. Nur auf den ersten Blick erzielte die Frauenbewegung einen Erfolg, vielfach tragen Benachteiligungen das Mäntelchen einer Pseudo-Emanzipation. Kritisches Bewusstsein und echte Fairness sind nicht gerade allgegenwärtig.

Es reicht eben nicht, dass es mehr Vorzeigefrauen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gibt, wenn zugleich der Eindruck entsteht, dass diese häufig nur machtlose Marionetten, Behübschung oder „Männer im Frauengewand“ sind. Und es reicht auch nicht, wenn es ein paar Männer gibt, die sich – verdutzte Augen und unpassende Kommentare in Kauf nehmend – um Kinder kümmern, pädagogische Ausbildungen absolvieren oder zum Macht-Teilen bereit sind.

Was wir endlich brauchen, ist ein ungeteiltes Ja zum Kernsatz der Menschenrechtserklärung „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten.“ Erst wenn wir dies voll bejaht und in Gesetz wie Alltagsleben verwirklicht haben, wird bedeutungslos, welches Geschlecht und welche Farbe ein Mensch bei seiner Geburt hat. Zuerst sind wir immer Menschen! Wer, wenn nicht wir im Elementarpädagogischen Berufsfeld, sollte all dies wissen, im Brustton der Überzeugung verkünden und vor-leben? Genau dazu möchte das aktuelle Fachjournal ermutigen.

Inhaltsverzeichnis

der Ausgabe 4/2020

Unsere Praxis

"Ich werd' Baggerfahrerin!" - Berufsbilder entstehen in der frühen Kindheit
Eva Berger16


"Schlimme Goaß und dumme Augustine" - Sensibilisierung für Ungleichbehandlung und Rollentypisierung
Brigitte Webhofer21