Ausgabe 3/2026
Was brauchst du gerade?
Die Aussage „Im Mittelpunkt der Elementarpädagogik steht das Kind“ würden wir wohl alle unterschreiben. Zuvor aber ist zu klären, wer und was genau damit gemeint ist:
• Das Kind, das eine Einrichtung besucht, weil familiär und gesellschaftlich nötig – Betreuung steht im Fokus?
• Das Kind, das möglichst früh für Schule und Berufswelt fit gemacht werden soll – durch Fordern und Fördern ?
• Oder das Kind, das mit seinen individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Grenzen – ganzheitlich wahrgenommen wird?
Diese UNSERE KINDER-Ausgabe zielt ganz klar auf die dritte Antwort ab, denn nach einer Epoche der starken Kompetenzorientierung ist es höchste Zeit für eine „Emotionale Wende“. Vom Beobachtungsbogen bis zur Entwicklungsdokumentation, vom frühen Lernen bis zum Sozialverhalten betonte man in den letzten Jahrzehnten stets, was Kinder in einem bestimmten Alter bereits können (sollten). Nicht selten blieb der Mensch mit seinen vielfältigen Bedürfnissen auf der Strecke. Neben allem, was zum Leben einfach nötig ist (wie z.B. Essen, Pflege, Schlaf, soziales Miteinander durch Spiel und Kommunikation …) geht es auch um körperliche Entwicklung, Sprachfähigkeit, Umgang mit Konflikten, geistige Reifung oder seelisches Wohlbefinden usw.
Kindzentrierte, zugewandte Fachkräfte bemühen sich zu erkennen, was ihr kleines Gegenüber gerade jetzt benötigt. Nur wenn kindliche Bedürfnisse von Erwachsenen wahrgenommen und befriedigt werden, entsteht ein lern- und entwicklungsfreundliches Klima. Freilich ist damit nicht um die unkritische Erfüllung aller beliebigen Wünsche oder eine „Kuschelpädagogik“ ohne Grenzen gemeint. Das Ziel ist eine achtsame, wertschätzende, sorgende und schützende Grundhaltung.
Die Artikel in diesem Fachjournal wurden ausschließlich von Kolleginnen aus der Praxis verfasst und stellen unterschiedliche Aspekte bzw. konkrete Alltagssituationen vor. Sie behandeln den bziehungsvollen Umgang mit (Grund-)Bedürfnissen, damit die Kinder ihr Potenzial entfalten können. Übrigens gilt Bedürfnisorientierung auch für Pädagog*innen – klingt selbstverständlich, wird aber oft vergessen. Wir können nur gut für andere da sein, wenn es uns selbst gut geht! Gerade im Burnout-gefährdeten, erzieherischen Berufsfeld sind Selbstachtung und -fürsorge bedeutsam, weshalb sich auch dazu mehrere Beiträge im Heft finden. Die Frage „Was brauchst du gerade?“ richtet sich eben nicht allein an die Kinder, sondern genauso an die Erwachsenen und muss Teil persönlicher Selbstreflexion sowie gelebter Teamkultur sein. Viel Freude beim Lesen!
Inhaltsverzeichnis
der Ausgabe 3/2026
Inhaltsverzeichnis
Aufeinander hören - Bedürfnisorientierte Pädagogik in elementaren Bildungseinrichtungen
4
Kinder achtsam begleiten - Der Wert bedürfnisorientierter Bildungsarbeit
8
Ich hab (k)ein gutes Gefühl ... - Emotionale und soziale Kompetenz gehen Hand in Hand
11
Zwischen Macht und Partizipation - Kinder- und Pädagog*innenbedürfnisse in Balance
12
Uns allen muss es gut gehen ... - Auf Bedürfnisse achten heißt: Wir passen gut aufeinander auf.
14
Das GenussReich - Essen bedürfnisorientiert begleiten
16
Achtsam, feinfühlig und verständnisvoll - Kindliche Bedürfnisse im Bilderbuch
18
Bedürfnisorientierung braucht Selbstfürsorge - Der "ganz normale" Alltag zwischen Anspruch und Überforderung
20
Von der Wichtigkeit unserer Bedürfnisse - Alltagsintegrierte Selbstfürsorge im Trubel des pädagogischen Alltags
22
Kleine Pause, große Wirkung! - Mini-Körperübungen für zwischendurch
24
Pippi Langstrumpf - Eine Rebellin mit großem Herz - Astrid Lindgrens weltbekannte Figur feierte kürzlich den 80er
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