Ausgabe 4/2026
Natürlich neugierig sein
Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT – sind im Trend. MINT begegnet uns in Form von Gütesiegeln, kostspieligen Forscherbereichen und zahlreichen wirtschaftlich motivierten Konzepten. Dabei scheint es, als wäre MINT ein neues Feld der Elementarpädagogik. Tatsächlich wird es im deutschsprachigen Raum bereits seit den frühen 2000er-Jahren forciert. Vor rund 20 Jahren wurde MINT um das „K“ für Kunst und Kreativität erweitert. Diese Ergänzung steht für weniger Anleitung und mehr Raum zum eigenständigen Entdecken, Gestalten und Ausprobieren.
Lange bevor MINKT in Kindergärten Einzug hielt, war das forschende Lernen ein zentrales pädagogisches Konzept. Nach der konstruktivistischen Lerntheorie von Jean Piaget (1896–1980) konstruieren Kinder Wissen aktiv. Sie übernehmen Ideen nicht einfach – sie entwickeln sie selbst. In den Jahren vor dem Schuleintritt ist ihre Lust am Forschen besonders groß. Sie beobachten, vergleichen, ordnen, zählen, messen und entdecken Muster. Darin liegen die Grundlagen von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Lernen gelingt dann, wenn Menschen ihr vorhandenes Weltwissen eigenständig und kreativ vernetzen und auf neue Zusammenhänge übertragen können. Genau hier liegen die besonderen Chancen der Elementarpädagogik: Kinder haben Raum und Zeit, ihre Umwelt täglich mit allen Sinnen zu entdecken. MINKT-Themen begegnen ihnen überall – beim Tischdecken, Bauen, Sandspielen, Wegeplanen oder beim Erkunden technischer Geräte. Sie stecken in unserer Kleidung, im Wetter, im Kochtopf oder im Smartphone – kurz: in nahezu allem, was uns umgibt.
Dafür braucht es Erwachsene, die keine Berührungsängste mit MINKTThemen haben – auch dann nicht, wenn sie selbst in der Schulzeit vielleicht weniger positive Erfahrungen mit diesen Fächern gemacht haben. Entscheidend ist eine natürlich forschende Haltung: mit Kindern zu staunen, innezuhalten, sich auf die Fragen der Kinder einzulassen, Raum für Hypothesen und Kreativität zu ermöglichen und eine Umgebung zu gestalten, in der Fragen überhaupt entstehen können. Es braucht Erwachsene, die nicht vorschnell Antworten geben, sondern Zeit schenken, damit Kinder ihre eigenen Lösungen suchen und Erfahrungen sammeln können.
„Learning by making“ befähigt Kinder, kreative Denker*innen, Macher*innen und Gestalter* innen zu werden (Resnick, 2007). Oder wie die bayerische MINT-Expertin Irmgard Burtscher sagt: „Herausforderungen ‚hands-on‘ zu meistern gehört zum Menschsein. Wir hätten es sonst nicht überlebt.“ Genau darin zeigt sich gelebte MINKTPraxis.
Viel Freude beim Lesen dieser UNSERE KINDERAusgabe. Lassen Sie sich von Kindern und ihrem Forscherdrang inspirieren und gehen Sie gemeinsam mit ihnen auf Entdeckungsreise.
Inhaltsverzeichnis
der Ausgabe 4/2026
Inhaltsverzeichnis
Kreativ, produktiv, innovativ - Experimentieren als Haltung und Lernform
4
MINT für Kinder unter 3 Jahren - Einblick ins neue Buch "Kleine Köpfe, große Fragen
8
Ganzheitliche Bildung - Zwischen Evolutionsbiologie, Humanismus und gegenwärtigen Wissenschaftsimpulsen
10
Gondel, Geometrie und viele Bausteine - Frühe naturwissenschaftliche Bildung wirkt ganzheitlich
12
Die Küche als Labor - Vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten mit Lebensmitteln.
15
Lebensräume be-greifen - Das Projekt "Von ganz unten bis ganz hinauf"
16
Die vielen Facetten einer Sonnenblume - Vom Schablonendenken zum Flirt mit den Dingen
17
Von der Idee zum Objekt - Gestalten mit dem 3D-Drucker
20
Gestaltung und Technik - Gegensatz oder perfekte Ergänzung?
22
Inga Marie Ramcke - Sachbuchautorin und Literaturvermittlerin im Interview
25
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